22.08.2010
Inklusive Bildung - Aktion statt Diskussion!
In der Sommerpause, wie es medial so gerne heißt, habe ich ein besonders wichtiges Thema für nestwärme und unsere Arbeit verfolgt. Hubert Hüppe, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, und die Kultusministerkonferenz der Länder haben sich sehr intensiv mit dem Thema inklusive Bildung befasst. Im Juni kam es dann auch zu einer Fachkonferenz der Minister zu diesem Thema. Natürlich kämpfen wir schon lange mit dieser Frage und doch hat sich auch in dieser Diskussion leider erneut der Mangel an Handlungswille gezeigt.
Hüppe bekannte sich schon früh und zuletzt in einer Pressemitteilung im Juni 2010 kurz vor einer Konferenz der Kultusminister zum Thema inklusive Bildung zur schnellen Umsetzung der Integration von behinderten Kindern in die normalen Bildungseinrichtungen. Der Grund für diese Forderung liegt auf der Hand, wenn ich mir die Statistik anschaue. Kaum 16 % der behinderten Kinder besuchen eine ganz normale Schule. Unsere Eltern kennen das Problem, auch durch den besonderen Pflegeaufwand, sehr gut. Bei den Kultusministern liegt die Sache wieder anders. Die Sorge vor zusätzlichen Kosten, die Angst der Gesellschaft die Veränderung vermitteln zu müssen, aber auch die Frage zum Kompetenzen, Personal und Aufwand bewegt. Da überrascht mich das Ergebnis der Konferenz, die vom 21. - 22. Juni stattfand, nicht wirklich. Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Staatsminister Dr. Ludwid Spaenle, sprach sich zwar für die inklusive Bildung aus, wollte jedoch zunächst für Akzeptanz in der Gesellschaft werben. Im Klartext bedeutet dies, dass die Kultusminister das Thema weiterhin vor sich herschieben. Dazu passt natürlich, dass gleich im Juli ein weiterer Expertenkreis einberufen wurde. Es gibt also weitere Diskussionen, jetzt vielleicht nicht nur in der Kultusministerkonferenz, sondern auch in einem UNESCO-Expertenkreis. Jetzt geht die Sommerpause langsam zu Ende und mir scheint es wichtig, dass wir in einigen Monaten auch einmal Fragen, ob sich etwas getan hat. Bisher erkenne ich den Handlungswillen leider noch nicht.
Für mich ist die Sachlage ganz einfach. Wir haben statistische Daten, die uns zeigen, dass nur sehr wenige Kinder mit Behinderung, 15 - 16%, normale Schulen besuchen. Daran können und müssen wir nun die Politik, die Länderminister, messen. Jeden Prozentpunkt, den diese Werte nach oben wandern, können wir allgemein als Erfolg verzeichnen. Und natürlich frage ich mich für nestwärme auch, wo wir dort einwirken können. Wir haben mit Politikern gesprochen und stehen auch medial an vorderster Front. Leider zeigt sich schnell, dass die Bundespolitik zwar sehr von der Inklusion angetan ist, aber durch die ausschließliche Länderkompetenz auch handlungsunfähig zu sein scheint. Daher hoffe ich, dass sich trotz der prekären Finanzlage beim Bund vielleicht die Einsicht nährt, dass zur Not auch Unterstützung durch die Bundesfinanzen gewährt wird. Auf diese Weise erhalten die Bundesländer einen zusätzlichen Anreiz und können sich nicht auf Diskussionen, Expertenkreise und die Werbung für Akzeptanz zurückziehen. Eine solche Zusage ist ein deutlicher Handlungsanreiz, der unterstützt durch die Medien etwas bewegen kann. Es ist traurig, aber ohne finanzielle Unterstützung lassen sich viele gute Projekte eben nicht umsetzen.