05.09.2009
Trauriges Beispiel warum es mehr NESTWÄRME in unserer Gesellschaft braucht!
Viele werden von dem tragischen Selbstmord einer Familie gelesen haben, aber bestimmt wird es auch einige Menschen gar nicht erreicht haben. Die Polizei fand in einer Düsseldorfer Wohnung ein Ehepaar und deren vierjährigen Sohn tot auf. Aus ihrem Abschiedsbrief geht hervor, dass die Eltern mit der schweren Krankheit und Behinderung ihres Kindes nicht zurechtgekommen sind und keinen anderen Ausweg mehr gesehen haben.
Für uns ist es wichtig den Menschen zu verdeutlichen, dass die Entscheidung für ein behindertes Kind auch eine große Herausforderung und Belastung ist. Daher möchte ich mit diesem Beitrag auch eine Diskussion anstoßen. Als Gründerin von nestwärme e.V. glaube ich an ein eigenverantwortliches und doch durch die Gesellschaft gestütztes Leben mit einem behinderten Kind. Niemand kann den Eltern die Entscheidungen abnehmen, aber wir geben Kraft und nehmen Belastung. Wenn die Verzweiflung so groß wird, wie in Düsseldorf, dann denke ich, dass es noch viel mehr Menschen braucht, die unterstützen, Kraft und damit NESTWÄRME spenden. Diese Familien brauchen die Sicherheit und Geborgenheit unserer Gesellschaft und das Gefühl, sie sind NICHT alleine!
Einen Teil dieser Unterstützung für Familien sehen und finden wir auch in unserer Fachberatung von nestwärme e.V. in Kooperation mit dem Bundesland Rheinland-Pfalz, die auch bundesweit Familien aktiv ist. Sicher ein erster guter Schritt in die richtige Richtung, jedoch nur ein Anfang für viele Menschen. Aber an der Stelle möchte ich nicht nur einfach nach mehr staatlicher Unterstützung schreien oder Vorwürfe machen, denn dafür finden sich oft genug andere. Die Menschen brauchen einfach Nestwärme als Lebensgefühl und wenn eine Gesellschaft dies lebt, dieses Gefühl vermittelt, dann wird die Verzweiflung schwächer. Stellen wir uns einfach nur vor, dass die Familie in Düsseldorf sich von Nachbarn, Freunden, Ämtern und sonstigen Einrichtungen verstanden gefühlt hätte. Vertrauen und Hilfe wären dort sicher entstanden. Ein warmes und wohliges Gefühl ist es, als Teil einer Gemeinschaft akzeptiert zu werden. Auch daran müssen wir arbeiten und den Menschen den Wert nestwärme schenken, um eine Gemeinschaft zu schaffen.
Politik und Gesellschaft dürfen nicht wegschauen, wenn es darum geht den Familien von Anfang an, Unterstützung und Beratung zu bieten. Wir fordern daher, dass die Begleitung der Familien, Therapieangebote und finanzielle Unterstützung aufgebessert werden. Wenn es um Kinder geht, die auf ihre Schwäche, ihre Behinderung nie einen Einfluss hatten, dann bleibt die Unterstützung hinter der Realität zurück. Und es geht hier nicht nur um die Stärkung der Kinder, sondern auch die Stärkung und Unterstützung der Eltern. Eltern, die rund um die Uhr für ihr pflegebedürftiges Kind da sind. An ihre Zuneigung kann keine Bedingung geknüpft werden: Sie nehmen das Kind bedingungslos an. Sie geben bedingungslos. Sie lieben bedingungslos.
Deshalb appellieren wir an Gesellschaft und Politik – kein Wegschauen, sondern eine Integration der Schwächeren in unsere Mitte und ein Nichtbehindern von Familien mit behinderten Kindern.